Das thailändische Agrarkonglomerat Sangfah Agri Product Co., Ltd. hat seine Virtualisierungs- und Storage-Umgebung mithilfe einer hyperkonvergenten 6-Node-Plattform auf Basis von Proxmox Virtual Environment und Ceph modernisiert. Die neue Infrastruktur beschleunigt das Provisioning, erhöht die Ausfallsicherheit sowie die Kostentransparenz und schafft ein skalierbare Grundlage für künftige KI-Initiativen in der Qualitätskontrolle.
Sangfah Agri Product Co., Ltd. wurde 1991 gegründet und zählt heute zu den führenden Agrarunternehmen Thailands, das Reis- und Tapiokaprodukte für internationale Märkte verarbeitet und exportiert. Mit einem Team von rund 200 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 275 Millionen USD umfasst das operative Geschäft Großmühlen, weitverzweigte Lagerhausnetzwerke, eigene Binnenhäfen, ein 9,9-MW-Biomassekraftwerk sowie eine wachsende Enterprise-IT-Sparte, die Internet- und Rechenzentrumsdienste bereitstellt.
Da sich täglich Tausende Tonnen landwirtschaftlicher Produkte durch die Lieferkette bewegen, ist der ununterbrochene Zugriff auf kritische Systeme essenziell. Bestandsmanagement, Logistikkoordination, Produktionsplanung, Exportdokumentation und kundennahe Anwendungen hängen direkt von einer zuverlässigen und hochverfügbaren IT-Infrastruktur ab. Im Zuge des Unternehmenswachstums stellte das IT-Team von Sangfah jedoch fest, dass sich die bestehende Virtualisierungsumgebung zunehmend schwerer skalieren ließ.
Die Herausforderung: Eingeschränkte Agilität und steigende Lizenzkosten
Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom erkannte die IT-Leitung von Sangfah, dass ihre bisherige Legacy-Virtualisierungsumgebung langfristig nicht mehr tragbar war. Die veränderten Rahmenbedingungen verschärften die bestehenden operativen Herausforderungen zusätzlich:
Eingeschränkte Agilität: Das Provisioning neuer Workloads dauerte Tage statt Minuten. Dies verzögerte die interne Bereitstellung von Projekten und schränkte die betriebliche Agilität ein.
Downtime bei Wartungen: Routinemäßige Infrastruktur-Upgrades und Host-Wartungen erforderten eine aufwendige Abstimmung zwischen den Abteilungen. Das IT-Team war gezwungen, Wartungsfenster auf das Wochenende oder in die späten Nachtstunden zu verlegen.
Defizite bei der Disaster Recovery: Obwohl Standard-Backups vorhanden waren, benötigte Sangfah eine robustere, automatisierte Replikationsstrategie, um im Falle eines standortweiten Ausfalls eine schnelle Wiederherstellung aller Systeme zu garantieren.
Eskalierende VCF-Lizenzkosten: Nach den jüngsten Marktveränderungen hätten die neuen Lizenzberechnungen für die VMware Cloud Foundation (VCF) die bisherigen Infrastrukturkosten von Sangfah um ein Vielfaches ansteigen lassen. Dies erschwerte die mehrjährige Budgetplanung erheblich. Durch den Wechsel zu Proxmox VE erhielt Sangfah Enterprise-Funktionalität ohne komplexes Lizenzmodell. Da Sangfah viele der in VMware Cloud Foundation enthaltenen Zusatzfunktionen nicht benötigte konnte das Unternehmen durch den Umstieg auf die offene Plattform die Infrastrukturkosten bei gleichbleibender Performance um 60–70 % senken.
Aufbau einer hyperkonvergenten Architektur mit Proxmox VE und Ceph
Mit Unterstützung von Proxmox-Partner ReadyIDC implementierte Sangfah einen hyperkonvergenten Proxmox VE-Cluster mit 6 Nodes. Durch die Integration des verteilten Speichersystems Ceph direkt im Cluster skalieren Compute- und Storage-Layer gemeinsam, wodurch separate Storage-Systeme überflüssig werden. Da Proxmox VE Enterprise-Features wie High Availability (HA) und Live-Migration nativ Out-of-the-Box mitbringt, konnte Sangfah auf teure, spezialisierte Software-Lizenzen von Legacy-Anbietern verzichten. Das Projekt zeigte, dass sich kritische Enterprise-Anforderungen vollständig auf einer offenen Plattform abbilden lassen.
Jeder Node ist mit 2 leistungsstarken Multi-Core-CPUs, großem ECC-RAM und mehreren NVMe-SSDs ausgestattet, die exklusiv als Ceph Object Storage Daemons (OSDs) dienen. Um die Netzwerkausfallsicherheit zu gewährleisten, nutzt die Architektur dedizierte 10-GbE-Verbindungen für das Ceph-Storage-Backend. Dabei wird eine Ethernet-Cross-Connect-Topologie mit redundanten Netzwerkkarten (HA-NICs) eingesetzt. Dieser kritische Backend-Traffic ist komplett vom normalen VM- und Management-Netzwerkverkehr isoliert.
Die Performance hat sich seit der Inbetriebnahme bewährt: Selbst unter hoher, gemischter Produktionslast liefert die Umgebung Speicherlatenzen im Sub-Millisekundenbereich und hochgradig konsistente IOPS. Seit der Inbetriebnahme wurden keine ungeplanten Ausfälle verzeichnet. Durch ihren vollständig redundanten Aufbau garantiert diese Architektur den reibungslosen Ablauf der gesamten Wertschöpfungskette und des globalen Handels von Sangfah.
Datensicherung mit Proxmox Backup Server
Die Sicherung der Daten war eine Kernkomponente der gesamten Infrastruktur-Modernisierung. Sangfah implementierte Proxmox Backup Server, um von einem zentralisierten Backup-Management, clientseitiger Deduplizierung und automatisierter Verifizierung zu profitieren. Die Ausfallsicherheit wurde zudem durch eine Disaster-Recovery-Synchronisation mit einem zweiten Proxmox Backup Server an einem separaten Standort maximiert. Dies stellt sicher, dass alle Backup-Daten off-site repliziert werden und im Ernstfall sofort für eine schnelle Wiederherstellung bereitstehen. Durch die Kombination aus clusterweiter Hochverfügbarkeit (HA) mit externer Replikation hat das Unternehmen eine Disaster-Recovery-Strategie etabliert, die der alten Legacy-Umgebung deutlich überlegen ist.
Die Migrationsstrategie: Risiken erfolgreich minimieren
Zur Minimierung von Migrationsrisiken und Datenverlusten sowie zur Vermeidung teurer externer Consultants baute das interne IT-Team von Sangfah die neue Proxmox-basierte Umgebung parallel zur bestehenden Virtualisierungsplattform auf. Das Team setzte diesen Systemwechsel über einen Zeitraum von fünf Monaten um:
Automatisierung (IaC): Vor der Migration der produktiven Workloads wurde eine Proof-of-Concept-Umgebung (PoC) aufgebaut. Mithilfe von Terraform und Ansible automatisierte das Team die Cluster-Orchestrierung vollständig, validierte die Performance des Ceph-Speichers und testete HA-Failover-Szenarien.
Integrierter Import-Assistent: Nach erfolgreicher Validierung wurden die Workloads schrittweise nach ihrer geschäftlichen Priorität migriert. Das IT-Team nutzte dafür das integrierte Proxmox VE ESXi-Import-Tool. Damit ließen sich die bestehenden VMs direkt über die Weboberfläche einlesen – ganz ohne komplexe, mehrstufige Konvertierungsprozesse.
Ressourceneffizienz: Das rund zwanzigköpfige IT-Team von Sangfah migrierte innerhalb von 5 Monaten circa 40 VMs in Eigenregie. Ein gezieltes Partner-Training durch ReadyIDC stellte dabei den optimalen Wissenstransfer sicher – so konnte die gesamte Implementierung komplett intern abgewickelt werden.
Die Investition in ein offizielles Proxmox VE-Training war ein entscheidender Erfolgsfaktor für unsere reibungslose Migration.Wanna Manee-in, Managing Director at Sangfah Agri Product
Wanna Manee-in erklärt weiters: „Unsere IT-Experten beherrschen die Plattform nun eigenständig, was uns unabhängig von externem Support macht. Durch das Training des Proxmox-Partners ReadyIDC hat unser Team eine gemeinsame Fachsprache und arbeitet auf Basis einheitlicher Best Practices. Dies zahlt sich heute tagtäglich in einer hohen operativen Stabilität aus.“
Messbarer Nutzen für IT und Unternehmen
Da das Infrastrukturwachstum nun von starren Lizenzmodellen entkoppelt ist, hat sich Sangfah eine langfristige Kostentransparenz und Planungssicherheit für künftige Budgets gesichert. Gleichzeitig bewirkte der Umstieg sofortige Verbesserungen im gesamten Unternehmen:
Maximale Verfügbarkeit: Der Proxmox VE-Cluster läuft seit dem Go-Live durchgängig stabil und hochverfügbar.
Automatisierte und schnelle Bereitstellung: Dank standardisierter Templates und automatisierter IaC-Pipelines sank die Bereitstellungszeit für neue Umgebungen von mehreren Tagen auf wenige Minuten.
Wegfall von Wochenend-Diensten: Dank Live-Migration kann das IT-Team VMs nun im laufenden Betrieb von einzelnen Nodes verschieben. Hardware- und Software-Upgrades werden während der regulären Arbeitszeit durchgeführt, ohne die Anwender zu beeinträchtigen.
Was nach diesem Projekt am meisten heraussticht, ist die enorme Zukunftssicherheit. Proxmox VE ist für uns weit mehr als ein Ersatz für unsere bisherige Plattform – es bildet die Grundlage für unsere zukünftige IT.Wanna Manee-in, Managing Director at Sangfah Agri Product
Dank offener Standards, dem umfassenden Feature-Set und berechenbarer Kosten ist Sangfah endlich unabhängig: Statt an Lizenzmodellen und Hersteller-Roadmaps richtet das Unternehmen ihre IT nun konsequent an ihren betrieblichen Anforderungen aus. "Dieser Denkwechsel war mindestens so wertvoll wie die reinen technischen und finanziellen Vorteile," sagt Wanna Manee-in.
Zukunftsausblick: Wegbereiter für KI-gestützte Qualitätskontrolle
Die offene Architektur von Proxmox VE dient nun als Basis für das nächste digitale Innovationsprojekt von Sangfah: ein KI-gestütztes Computer-Vision-System an der Produktionslinie zur automatisierten Qualitätskontrolle von Reis in Echtzeit.
Durch zusätzliche GPU-fähige Cluster-Nodes möchte Sangfah künftig Bilddaten direkt während des Produktionsprozesses analysieren, um verfärbte Körner, Bruchkörner und Fremdkörper in Echtzeit zu erkennen. Da Proxmox VE sowohl virtuelle Maschinen als auch Container auf einer gemeinsamen Plattform unterstützt, kann Sangfah GPU-beschleunigte KI-Trainingsprozesse und Inferenz-Workloads flexibel betreiben. Gleichzeitig bleiben die sensiblen Betriebs- und Unternehmensdaten sicher in der eigenen On-Premises-Infrastruktur.
Für Sangfah war die Migration zu Proxmox VE weit mehr als eine taktische Reaktion auf veränderte Lizenzmodelle. Es war ein strategischer Schritt hin zu einer resilienten, souveränen Infrastruktur, die den zuverlässigen Betrieb der globalen Lieferkette sicherstellt und gleichzeitig die Grundlage für künftige KI-Innovationen bildet.
Wanna Manee-in
Managing Director at Sangfah Agri Product Co.,Ltd.
Über Sangfah Agri Product Co., Ltd. Sangfah ist ein thailändischer Agrarindustrie- und Technologiekonzern mit fünf globalen Kernbereichen. Das Portfolio umfasst die großvolumige Agrarverarbeitung, eine internationale Exportinfrastruktur mit eigenen Binnenhäfen und Lagerhäusern sowie ein Biomassekraftwerk. Darüber hinaus betreibt Sangfah einen wachsenden IT-Geschäftsbereich.
Über ReadyIDC ReadyIDC wurde 2011 gegründet und ist ein führender Cloud-Anbieter und ISP in Thailand und betreut über 50.000 Nutzende. Als Proxmox-Reseller liefert ReadyIDC sichere, hochperformante hyperkonvergente Infrastrukturen (HCI) auf Basis eines resilienten Tier-III-Netzwerk mit einer Bandbreite von 400 Gbit/s.